Die zentrale Frage 2026, sobald über Solar gesprochen wird: Eigenverbrauch oder Einspeisung? Viele Eigentümerinnen und Eigentümer kommen noch mit der Vorstellung, die Volleinspeisung sei das Modell. Das stimmt seit 2018 nicht mehr. In der Deutschschweiz gewinnt 2026 in 95 % der Fälle der Eigenverbrauch ohne Diskussion.

Die Frage ist nicht mehr ob man eigen verbraucht, sondern wie viel. Und das ändert alles an der Wirtschaftlichkeit.

Warum Volleinspeisung 2026 keinen Sinn mehr macht

Die Rechnung beruht auf zwei Zahlen: Strompreis beim Bezug, Vergütung beim Einspeisen. 2026 in der Deutschschweiz:

  • Bezug beim Verteiler: 25 bis 32 Rp./kWh je nach Tarif (Hoch-/Niedertarif, Winter/Sommer).
  • Vergütung des eingespeisten Überschusses: 8 bis 14 Rp./kWh.

Der Abstand (15 bis 24 Rp./kWh) entspricht genau dem Wert eines selbst verbrauchten kWh gegenüber einem eingespeisten. Jede produzierte und im Haus verbrauchte kWh ist also 2- bis 3-mal mehr wert als dieselbe kWh, die ins Netz fliesst.

Dieser Abstand hat zwei strukturelle Gründe. Erstens vergütet der Verteiler den Überschuss zu einem Preis nahe dem Grosshandelsmarkt, nicht dem Kundentarif. Zweitens deckt Ihr Bezugstarif auch Verteilung, Steuern und Transport — die Hälfte des Zählerpreises. Beim Eigenverbrauch sparen Sie all das auf einen Schlag.

Bei vergleichbaren Tarifen summiert sich die Differenz zwischen einer zu 60 % eigen verbrauchten und einer zu 100 % eingespeisten Anlage über 25 Jahre auf 25'000 bis 35'000 CHF. Mehr als die Bruttokosten einer mittleren Anlage.

Rückliefertarife der Verteiler in der Deutschschweiz

Jeder Verteiler legt eigene Tarife fest und revidiert sie jährlich. Einige 2026er-Richtwerte unter Vorbehalt aktueller Publikationen:

VerteilerIndikativer Rückliefertarif 2026Besonderheiten
AEW9 bis 12 Rp./kWhDifferenzierter Tarif Winter/Sommer in einigen Regionen
SIG (Basel)10 bis 13 Rp./kWhProgramm «Vitale Soleil» in bestimmten Verträgen
EKZ8 bis 11 Rp./kWhBonus je nach Liefervertrag
Services industriels Basel10 bis 14 Rp./kWhlokaler Tarif, teils grosszügiger
Axpo (Aargau)8 bis 12 Rp./kWhSchwankungen je nach Anschlussgemeinde

Die Spannen bleiben indikativ. Vorsichtsregel: Beim Anschluss die geltende Tabelle verlangen und damit rechnen, dass die Tarife in den kommenden Jahren bei entspannterem Grosshandelsmarkt sinken können.

Wie sich Ihre Eigenverbrauchsquote zusammensetzt

Eigenverbrauch ist keine vom Himmel fallende Zahl. Er ergibt sich aus der Übereinstimmung zwischen Solarproduktionskurve (glockenförmig, zentriert um 12–13 Uhr) und Verbrauchskurve (typisch morgens und abends bei einem Haushalt ohne grosse Tagesverbraucher).

Bei einem Standardhaus ohne WP, ohne Elektroauto, ohne Steuerung beobachten wir generell:

  • Haushalt tagsüber abwesend, ohne Automatik: 20 bis 30 % Eigenverbrauch
  • Haushalt teilweise anwesend, mit etwas Tagesverbrauch: 30 bis 40 %
  • Haushalt mit solar gesteuertem Boiler: 40 bis 50 %
  • Haushalt mit Wärmepumpe für Heizung und Warmwasser: 50 bis 65 %
  • Haushalt mit WP + tagsüber geladenem Elektroauto: 60 bis 75 %
  • Haushalt mit WP + EV + Batterie 10 kWh: 75 bis 90 %

Erkenntnis: Ohne Veränderungen an der Ausstattung deckelt man oft bei 30–40 %. Mit wenigen technischen Entscheidungen (WP, gesteuerter Boiler, EV-Ladung am Tag) verdoppelt sich die Quote fast. Genau dort kippt die Wirtschaftlichkeit.

Lastverschiebung: der kostenlose Hebel

Viel Eigenverbrauchsgewinn entsteht durch einfache Massnahmen ohne Investition. Drei konkrete Beispiele aus dem Kundengeschäft.

Warmwasserboiler. Statt nachts in der Niedertarifzeit zu heizen, wird ein Mittagsheizen programmiert. Bei einem 200–300-Liter-Boiler verschieben sich täglich 6 bis 10 kWh in den direkten Eigenverbrauch. Der Jahresgewinn beträgt mehrere Hundert Franken.

Wasch- und Trockner. Bei den meisten neueren Geräten programmierbar. Ein Zyklus um 12 Uhr statt um 19 Uhr bringt 3 bis 5 kWh Eigenverbrauch pro Zyklus.

Elektroauto. Der stärkste Hebel. Eine 7-kW-Ladung über 4 Stunden mittags ergibt 28 kWh Eigenverbrauch in einer einzigen Sitzung. Bei dreimal wöchentlichem Tagesladen gewinnt man jährlich locker 15 Punkte Eigenverbrauchsquote.

Keine dieser Massnahmen verlangt Zusatzmaterial. Eine simple Programmierung oder ein einfacher vernetzter Thermostat zu 200 CHF — und die Quote steigt.

Wann eine Batterie sinnvoll wird

Mit hohem Eigenverbrauch durch natürliche Nutzung bleibt eine zusätzliche Batterie eine ernsthaft zu prüfende Investition. Das Thema verdient einen eigenen Beitrag, in Kürze:

  • Unter 40 % Eigenverbrauch: Die Batterie wirkt stark, der ROI bleibt aber lang (12–15 Jahre).
  • 50 bis 60 %: Die Batterie hebt von 60 auf 80 %, klarer Zugewinn, ROI 12–14 Jahre.
  • Bereits über 65 %: Der marginale Batteriegewinn wird klein.

Das entscheidende Kriterium ist nicht nur finanziell: Es geht um Resilienz bei Netzausfall (mit kompatiblem Hybrid-Wechselrichter) und Autonomie in Winterabenden. Für viele rechtfertigt eher Komfort die Investition als die reine Amortisation.

ZEV im Stockwerkeigentum: ein Sonderfall

Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) verändert die Rechnung im Mehrfamilienhaus grundlegend. Mehrere Lots oder eine ganze Eigentümergemeinschaft teilen eine gemeinsame Anlage; die Produktion wird nach individuellem Verbrauch verteilt.

Der Profil-Additionseffekt ist mächtig: Nicht alle sind tagsüber abwesend, der Allgemeinstrom (Heizung, Lüftung, Aufzug) läuft kontinuierlich, einige Lots haben Homeoffice. Insgesamt erreicht der kollektive Eigenverbrauch häufig 65 bis 85 %, während einzelne Lots bei 30–40 % deckeln würden.

Der ZEV verlangt Versammlungsbeschluss, Reglementsergänzung und eine von den Eigentümern abgesegnete Verteilrechnung. Ökonomisch ist es 2026 das rentabelste verfügbare Solarmodell im kollektiven Wohnen.

Der Rückliefervertrag: was zu unterzeichnen ist

Sobald eine Anlage Überschuss einspeist (in 99 % der Wohnfälle), wird ein Rückliefervertrag mit dem Verteiler abgeschlossen. Einige Punkte zu prüfen.

Dauer und Revision. Der Tarif wird jährlich revidiert. Kein Verteiler in der Schweiz garantiert einen Tarif über 20 Jahre. Verträge sind jährlich oder mehrjährig mit Revisionsklausel.

Bidirektionaler Zähler. Vom Verteiler installiert, in der Regel auf seine Kosten, gelegentlich für einige Hundert Franken verrechnet.

Saisonalität. Manche Verteiler wenden einen Sommer-/Winter-Tarif für die Rücklieferung an. Im Vertrag prüfen.

Trennung und Notabschalter. Die Anlage muss vom Verteiler aus der Ferne vom Netz trennbar sein. Schweizer Norm, nicht verhandelbar.

Bei einem seriösen Installateur ist das Teil des Montagepakets. Eine einfache Frage beim Angebot: Übernehmen Sie auch den Rückliefervertrag mit dem Verteiler?

Unsere Empfehlung für 2026

In 95 % der Wohnprojekte in der Deutschschweiz ist der richtige Reflex, einen maximalen Eigenverbrauch anzustreben — zuerst über die Nutzung, dann mit einer Batterie, falls sinnvoll. Die Einspeisung bleibt der natürliche Überlauf des Überschusses, sollte aber nie das Hauptziel der Auslegung sein.

Konkret: Auslegung am künftigen Verbrauch ausrichten (WP, EV), verschiebbare Lasten steuern, eine Batterie hinzufügen, wenn Komfort es rechtfertigt, und 30 bis 40 % der Produktion als marginalen Bonus ins Netz einspeisen. Das Modell, das 2026 zwischen Basel und Solothurn am besten funktioniert — und das durch die Tarifentwicklung der Verteiler in den kommenden Jahren weiter verstärkt wird.