Eine der häufigsten Fragen beim Angebot. 11 kW oder 22 kW? Der Reflex sagt oft: «mehr Leistung ist besser». Die Wirklichkeit ist nuancierter. In der Mehrzahl der Wohninstallationen in der Deutschschweiz reicht 11 kW deutlich. 22 kW ergibt nur in spezifischen Fällen Sinn — und manche Eigentümerinnen und Eigentümer kaufen sie ohne Nutzen.
Dieser Beitrag ist bewusst kurz. Er behandelt die echten Fragen: Welcher Bedarf, welches Fahrzeug, wie ohne Fehlentscheidung wählen.
Praktischer Unterschied zwischen 11 kW und 22 kW
Die Zahlen sprechen für sich bei einer typischen Nachtladung.
| Wallbox-Leistung | Ladung 36 kWh (20→80 %) | Ladung 60 kWh (10→100 %) |
|---|---|---|
| 7,4 kW (einphasig 32 A) | 5h | 8h20 |
| 11 kW (dreiphasig 16 A) | 3h20 | 5h30 |
| 22 kW (dreiphasig 32 A) | 1h40 | 2h45 |
Steht das Fahrzeug von 19 Uhr bis 7 Uhr zu Hause (12 Stunden), erlaubt jede dieser Leistungen eine vollständige Ladung. Die Frage 11 vs. 22 stellt sich also nur in spezifischen Fällen:
- Mittagsladung (z. B. mit Solarüberschuss zwischen 10 und 16 Uhr).
- Mehrere Fahrzeuge parallel laden (zu Hause selten).
- Punktueller Bedarf, vor erneuter Abfahrt schnell zu laden.
Die zentrale Falle: Fahrzeugkapazität
Was wir Kundinnen und Kunden systematisch in Erinnerung rufen: Die Wallbox lädt mit der Leistung, die das Fahrzeug akzeptiert, nicht mit ihrer Nennleistung.
Viele Elektroautos 2026 deckeln im Wechselstrom (AC) bei 11 kW. Die Liste der auf 11 kW begrenzten Fahrzeuge ist lang: Tesla Model 3, Tesla Model Y, Volkswagen ID.3 / ID.4 / ID.5, Skoda Enyaq, BMW iX3, Audi Q4 e-tron, Volvo XC40 Recharge, Polestar 2.
Wer eine 22-kW-Wallbox für ein auf 11 kW limitiertes Fahrzeug kauft, lädt mit 11 kW. Sie zahlen 300–600 CHF mehr für die Wallbox und potenziell 1'500–3'000 CHF mehr für den Anschluss — ohne Nutzen.
Einige Modelle akzeptieren tatsächlich 22 kW:
- Renault Zoé (je nach Version).
- Renault Megane E-Tech (Option dreiphasig).
- Audi e-tron GT (in bestimmten Konfigurationen).
- Mercedes EQS (je nach Version).
- Smart EQ (je nach Version).
- Geschäftsfahrzeuge der Oberklasse (Bestelloption).
Pragmatische Regel: Vor dem Kauf einer 22 kW das genaue Datenblatt des Fahrzeugs prüfen. Bei Zweifel: 11 kW.
Mehrkosten einer 22-kW-Wallbox
Beim reinen Material ist der Unterschied moderat. Eine Zaptec Pro ist von 11 bis 22 kW konfigurierbar, ohne das Modell zu wechseln. Eine Wallbox Pulsar Plus 22 kW kostet 200–400 CHF mehr als die 11-kW-Version. Bei der Wallbox selbst kein entscheidender Faktor.
Der Unterschied entsteht beim Anschluss. Eine 22-kW-Wallbox verlangt 32 A pro Phase dreiphasig. Bei jüngeren Verteilungen (nach 2010) generell verfügbar. Bei älteren Verteilungen kann die Reserve auf 16 A pro Phase deckeln — exakt einer 11-kW-Wallbox entsprechend.
Für den Wechsel auf 22 kW in diesem Fall:
- Hauptsicherung des Gebäudes prüfen.
- Kabel zwischen Verteilung und Wallbox prüfen (Mindestquerschnitt steigt: von 5G2,5 mm² für 11 kW auf 5G6 mm² oder mehr für 22 kW).
- Kaliber des dedizierten Schutzschalters prüfen.
- Teilweise eine Erhöhung der Anschlussleistung beim Netzbetreiber beantragen (Kosten und Fristen).
In gewissen alten Mehrfamilienhäusern erreichen die Mehrkosten 2'500–4'000 CHF, bei einem möglichen Nullnutzen, falls das Fahrzeug bei 11 kW deckelt.
Sonderfall Solarkopplung
Einer der seltenen Fälle, in denen 22 kW auch bei einem 11-kW-Fahrzeug Sinn ergeben kann: Mittagsladung auf Solarüberschuss.
Bei einer grossen Solaranlage (15 kWp und mehr) mit 12–14 kW Spitzenleistung würde ein 22-kW-Fahrzeug die gesamte Überschussproduktion aufnehmen, sofern es zu diesem Zeitpunkt lädt. Da fast alle Massenfahrzeuge AC auf 11 kW deckeln, lädt die Wallbox effektiv mit maximal 11 kW. Die verbleibenden 3–4 kW Überschuss fliessen ins Netz oder in einen Heimspeicher.
Für die seltenen 22-kW-fähigen Fahrzeuge (Megane E-Tech, Renault Zoé) kann die Solarkopplung 22 kW tatsächlich rechtfertigen. Sonst nicht.
Future-Proofing: gültiges Argument oder nicht
Häufige Frage: «Künftige Fahrzeuge nehmen alle 22 kW an, also gleich 22 kW kaufen». Das Argument wirkt solide. Es hat zwei Grenzen.
Der Markt geht nicht in diese Richtung. Hersteller fokussieren auf die DC-Schnellladung (50–350 kW) auf der Autobahn, weniger auf AC zu Hause. 11 kW AC gilt im Wohnsegment als ausreichend, immer mehr Modelle 2026–2027 halten dieses Plafond.
Die Wallbox lässt sich leicht ersetzen. Wenn Sie in 5 Jahren auf ein 22-kW-Fahrzeug wechseln und Ihre Wallbox 11 kW ist, kostet der Ersatz 1'500–2'500 CHF inklusive. «Vorsorglich» überdimensionieren ist mitunter teurer als später zu ersetzen, wenn der Bedarf eintritt.
Kompromiss: eine konfigurierbare 22-kW-Wallbox (typisch Zaptec Pro), softwareseitig auf 11 kW gedrosselt. Geringer Aufpreis (200–400 CHF), keine Verteilungsaufrüstung, solange auf 11 kW geblieben wird, spätere Entdrosselung ohne Geräteaustausch. Unsere Standardempfehlung, sofern die Verteilung es erlaubt.
Typische Profile
Haushalt 1 Standard-Elektroauto, Nachtladung: 11 kW. Standard, perfekt.
Haushalt 1 Fahrzeug mit grosser Reichweite, Vielfahrer (>30'000 km/Jahr): 11 kW reicht. Eine 80-kWh-Ladung dauert 7–8h bei 11 kW, nachts gut machbar.
Haushalt 2 Elektroautos: 22 kW kann sinnvoll sein, wenn beide parallel geladen werden, sofern die Verteilung folgt. Häufig 2 × 11 kW mit Lastmanagement, praktischer.
Haushalt 1 Fahrzeug + Homeoffice + grosse PV: 11 kW. Solarladung am Tag erfolgt über 4–6 Stunden, ausreichend für den Eigenverbrauch.
Haushalt mit 22-kW-fähigem Fahrzeug (Renault Zoé, Megane E-Tech): 22 kW, sofern die Verteilung es erlaubt. Realer Gewinn.
Stockwerkeigentum mit gemeinschaftlichem Parking: siehe unseren eigenen Beitrag. Andere Logik mit dynamischem Lastmanagement.
Unsere Empfehlung für 2026
11 kW in 95 % der Fälle. Unsere Standardempfehlung. Material günstiger, Anschluss einfacher, Ergebnis im Wohnalltag sehr zufriedenstellend.
22 kW nur, wenn:
- Das aktuelle oder in 12 Monaten zu erwartende Fahrzeug tatsächlich 22 kW akzeptiert.
- Die Verteilung über die nötige Reserve verfügt (oder die Aufrüstung ohnehin nötig ist).
- Der Bedarf an Schnellladung real ist (Mittagsladung, mehrere Fahrzeuge parallel).
Mittlerer Kompromiss: konfigurierbare 22-kW-Wallbox, anfangs auf 11 kW gedrosselt, später entdrosselbar. Moderater Aufpreis, maximale Flexibilität.
Lassen Sie sich nicht durch ein Argument à la «Sie werden bedauern, keine 22 kW genommen zu haben» überzeugen. Bei den hunderten von uns installierten Wallboxen hat fast niemand seine 11-kW-Wahl bereut. Viele haben hingegen eine nie genutzte 22-kW-Investition bedauert.