Wahrscheinlich das Segment, das in der Deutschschweiz seit 2023 am stärksten wächst. STWE, die eine Solaranlage beschliessen, sind keine Ausnahme mehr. Zwischen Basel, Zürich, Solothurn oder Winterthur prüft etwa jede fünfte Versammlung die Frage in den ordentlichen Geschäften. Aus gutem Grund: Die kollektive Wirtschaftlichkeit einer STWE-Anlage ist fast immer höher als bei einem vergleichbaren Einfamilienhaus.

Das Thema ist allerdings stärker juristisch und administrativ als technisch. Die Montage läuft wie bei einer Villa. Sorgfalt braucht es davor und danach.

Warum Solar im STWE rentabler ist als im Einfamilienhaus

Die Rechnung steht und fällt mit einer Grösse: der Eigenverbrauchsquote. Ein Einfamilienhaus deckelt oft bei 30–40 % Eigenverbrauch — niemand verbraucht mittags, wenn die Produktion am höchsten ist. Eine STWE mit 6 bis 12 Wohnungen erreicht regelmässig 65 bis 85 %.

Drei Gründe. Erstens ergänzen sich Verbrauchsprofile: fast immer ist jemand zu Hause — Homeoffice, ältere Person, Eltern mit Kleinkindern. Zweitens verbrauchen Allgemeinanlagen (Korridorlicht, Aufzug, Lüftung, Gemeinschaftsheizung) kontinuierlich und absorbieren einen stabilen Anteil. Drittens erlauben STWE-Leistungen die Optimierung von Ausrichtung und Neigung auf grösseren Dächern.

Konkret: Auf einer 35-kWp-Anlage in einer 6er-STWE in Basel 2024–2025 haben wir 78 % kollektiven Eigenverbrauch im Jahresmittel gemessen — dasselbe Volumen auf 6 Einfamilienhäusern hätte 35–40 % kaum überschritten. Diese Differenz verändert die Rentabilität: Amortisation 6 bis 8 Jahre für eine gut konzipierte STWE, gegenüber 9 bis 11 Jahren im Einzelobjekt.

Versammlungsbeschluss: was vorzubereiten ist

Der häufigste Blocker. Nicht aus prinzipieller Ablehnung, sondern aus mangelhafter Dossiervorbereitung.

STWE-Reglement. Erstes vor dem Vorschlag zu lesen. Die meisten Aargauer, Genfer, Solothurner Reglemente sehen spezifische Mehrheiten für Arbeiten vor. Solar auf dem Dach gilt allgemein als «Verbesserung», einfache Mehrheit. Manche älteren Reglemente sprechen aber von «Dachänderungen» und verlangen qualifizierte Mehrheit (oft zwei Drittel oder Einstimmigkeit). Erst lesen, dann vorschlagen.

Beschlussdossier. 4 bis 8 Seiten, nicht mehr. Inhalt: Bruttokosten, Netto nach Förderungen, Verteilung pro Tausendstel oder Verbrauch, Eigenverbrauchsmodus (ZEV oder nicht), Wartung, Versicherung, Garantie. Ein seriöser Installateur liefert das standardmässig traktandenfertig.

Angebot idealerweise mit zwei Varianten. Viele STWE bevorzugen eine Beratung über zwei Optionen (mit/ohne Batterie oder 30 kWp / 40 kWp) statt binärer Wahl. Erleichtert die Entscheidung und gibt der Verwaltung einen Drehpunkt.

Anwesenheit des Installateurs in der Versammlung. Bei grossen STWE empfehlen wir systematisch die Anwesenheit zur Beantwortung technischer Fragen. Das löst schwankende Stimmen. Eine halbe Stunde Direktaustausch erspart drei Monate nachträglicher Mailfragen.

Der ZEV: zentraler Wirtschaftlichkeitsmechanismus

Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch ist im Energiegesetz geregelt. Er erlaubt den Eigentümerschaften, ihre Solarproduktion kollektiv zu verbrauchen, statt sie ins Netz einzuspeisen und Stunden später zum Konsumentenpreis zurückzukaufen. Die Tarifdifferenz (25–32 Rp./kWh Bezug vs. 8–14 Rp./kWh Vergütung) bleibt bei der STWE.

Technisch verlangt der ZEV:

  • Einen Produktionszähler an der Anlage.
  • Individuelle Zähler pro Lot, die Eigen- und Netzbezug messen.
  • Einen einzigen Austauschzähler mit dem Netzbetreiber (AEW, IWB, EKZ).
  • Ein von der Versammlung beschlossenes und von jeder Eigentümerschaft unterzeichnetes ZEV-Reglement.

Das ZEV-Reglement legt den internen Tarif fest (oft am mittleren Verteilerpreis orientiert, manchmal leicht darunter als Anreiz), die Abrechnungsperiode (monatlich oder vierteljährlich) und den Umgang mit Eintritten/Austritten von Eigentümerschaften.

Indikative Kosten zur Einrichtung des ZEV 2026: 3'000 bis 6'000 CHF zusätzlich zur PV-Installation, hauptsächlich für Verkabelung, Zähler und Konfigurationsleistung. Auf STWE-Ebene rasch amortisiert.

Wie die Produktion auf die Lots verteilt wird

Drei Logiken — alle in der Deutschschweiz praktiziert.

Pro Tausendstel STWE. Proportional zu den Reglementsanteilen. Einfach zu verstehen, einfach zu beschliessen. Langfristig unfair: Eine grosse, wenig genutzte Wohnung erhält denselben Anteil wie eine grosse, stark genutzte. Typisch bei homogenen Profilen, wenn Einzelzähler vermieden werden sollen.

Nach realem Verbrauch. Jedes Lot zahlt nach realem Verbrauch der Solarproduktion. Fair, benötigt jedoch Zähler und Verwaltung (oft kommunizierender Zähler mit Cloud-Plattform). 2026 Mehrheitsoption bei neuen STWE.

Hybrid. Fester Teil pro Tausendstel (Allgemeinkosten, Aufzug), variabler Teil nach realem Verbrauch (den Lots zugeordnete Teile). Fairer, komplexer in der Bewirtschaftung. Den STWE mit fortgeschrittener Energiebuchhaltung vorbehalten.

Unsere Empfehlung: realer Verbrauch — ausser kleine STWE mit 4 oder weniger Wohnungen, wo der Unterschied gering ist und Einfachheit überwiegt.

Kosten einer typischen STWE 2026

Beispiel STWE 6 Wohnungen in Basel, nutzbare Dachfläche rund 200 m². 35-kWp-Aufdachanlage auf Ziegeln, Aiko-Module, Fronius-Wechselrichter, ZEV, Einzelzähler.

  • PV-Installation brutto: 64'000 CHF
  • ZEV-System (Zähler, Konfiguration): 4'500 CHF
  • Total brutto: 68'500 CHF
  • Pronovo-EIV: –12'500 CHF
  • Kantonsförderung Aargau: –4'000 CHF
  • Kommunalförderung (je nach Ort): 0 bis 3'000 CHF
  • Netto nach Förderungen: 49'000 bis 52'000 CHF

Pro Lot rund 8'200 bis 8'700 CHF vor individuellem Steuerabzug. Jede Eigentümerschaft kann ihren Anteil vom steuerbaren Einkommen abziehen — effektives Netto 5'500–6'500 CHF pro Lot. Pro Lot zugeordnete Produktion rund 5'500 kWh/Jahr, davon 75–80 % eigen verbraucht.

Bezogen auf eine Wohnung mit 4'000 bis 5'000 kWh Jahresverbrauch entspricht das nahezu der gesamten Jahresstromrechnung — einmalig 6'000 CHF für 25 Jahre.

Juristische Punkte zur Absicherung

Häufig vernachlässigte Details, die das Vorhaben langfristig sichern.

Eigentum der Anlage. Die Anlage gehört der STWE als solche. Gemeinschaftlicher Teil im Rechtssinn. Keine Eigentümerschaft kann Exklusivanspruch erheben.

Versicherung. Die Anlage wird der Gebäudeversicherung der STWE gemeldet. Mehrkosten gering, bis zu einem gewissen Wert manchmal null. Viele STWE vergessen das und stehen bei Sturmschäden ohne Deckung da.

Wartung. Im Jahresbudget der STWE einplanen: Monitoring (oft im 1. Jahr durch Installateur inklusive), Reinigung alle 3–5 Jahre je Umfeld, Wechselrichterprüfung. Rechnen Sie 200 bis 500 CHF/Jahr für eine 35-kWp-Anlage.

Austritt einer Eigentümerschaft. Der ZEV folgt dem Lot, nicht der Person. Die neue Eigentümerschaft übernimmt die Position der alten. Das ZEV-Reglement muss das ausdrücklich vorsehen, um Ambiguität zu vermeiden.

Reglementsänderung der STWE. Verändert die Anlage die Nutzung des Dachs (selten), kann eine Aktualisierung sinnvoll sein. In den meisten Fällen nicht erforderlich.

Typischer Zeitplan eines STWE-Projekts

Von der ersten Idee zur Inbetriebnahme rechnen Sie 6 bis 10 Monate für eine gut vorbereitete STWE. Detail:

  • Monat 1–2: technische Studie, Angebote, Beschlussdossier.
  • Monat 3: Versammlung, Beschluss, Vertragsabschluss.
  • Monat 3–4: Einreichung Kantonsförderung und Anmeldung Netzbetreiber.
  • Monat 5–7: Montage (in der Regel 5–10 Tage je nach Grösse).
  • Monat 7–8: Inbetriebnahme, ZEV in Betrieb.
  • Monat 8–12: Auszahlung der Pronovo-EIV.

In STWE, die ohne Vorbereitung abstimmen, sehen wir regelmässig 12 bis 18 Monate vom ersten Angebot bis zur Montage. Der Unterschied entsteht in der Vorbereitung, nicht auf der Baustelle.

Unser Blick für 2026

Solar im STWE ist 2026 das rentabelste Marktsegment der Deutschschweiz. Besser als ein durchschnittliches Einfamilienhaus, besser als eine isolierte Sanierung. Die Hindernisse sind fast nie technisch oder finanziell — sie sind organisatorisch.

Eine STWE mit engagierter Verwaltung, sauberem Dossier und einem Installateur, der zur Versammlung kommt, beschliesst das Projekt fast systematisch. Umgekehrt kann ein schlecht vorbereitetes Dossier drei Jahre an denselben Einwänden scheitern, obwohl die Rechnung klar günstig ist.

Der richtige Reflex 2026: Hat Ihre STWE die Frage seit 2022 nicht geprüft, hat sich der Markt verändert. Die Preise sind gesunken, die Förderungen sind stabil, der ZEV ist besser normiert. Ein neues Angebot auf aktueller Basis verdient einen Platz auf der Tagesordnung der nächsten Versammlung.